RASSISMUS UND PSYCHISCHE GESUNDHEIT

Die meisten Menschen, die täglich rassistische Diskriminierung erfahren, erleben dies als sehr belastend. Laut Psychotherapeutin Stefanie Cuff-Schöttle berichten sie von chronischer innerer Angespanntheit, großer Wut, Hilflosigkeit und der Angst vor bestimmten sozialen Situationen. Diese psychischen Zustände wirken sich auch körperlich aus, beispielsweise in Form von Schlafstörungen oder körperlichen Schmerzen, die oft nicht in Zusammenhang zu körperlichen Erkrankungen stehen. Es gibt eine Reihe an Symptomen, die im Zuge von sogenanntem ‘race-related stress’ entstehen können. Zahlreiche internationale Studien, insbesondere die von Robert T. Carter belegen, dass sich dieser Stress oftmals so potenziert, dass das Erleben rassistischer Gewalt häufig mit der Entwicklung von Traumafolgestörungen einhergeht. Dr. Amma Yeboah, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, beschreibt in einem Überblicksessay von 2017 den Zusammenhang von Rassismus, Stress und Trauma. Schlussfolgerung der Studien ist: Wer wiederholt mit rassistischen Mikro- und Makroaggressionen konfrontiert wird, ist unter Umständen sehr gestresst. Die Stressreaktionen können das Entstehen von Depressionen und Angststörungen begünstigen.

 

Problematik:

Die größte Problematik in Deutschland ist, dass der Zusammenhang zwischen Rassismus und psychischer Gesundheit in unserer Gesellschaft verkannt wird. Dieser Zusammenhang bleibt von der Mehrheit von Therapeut*innen, psychologischen Berater*innen und Coaches noch ungesehen. In den verschiedenen Ausbildungen wird Rassismus als Risikofaktor noch nicht anerkannt. Auch die internationalen diagnostischen Manuale sind nicht auf dem aktuellen Forschungsstand (s. o.). Die Realität ist jedoch, dass Schwarze, Indigene, Personen of Color und migrantisierte Personen täglich Rassismus erfahren. Passgenaue Angebote, die ihren Bedürfnissen entsprechen, fehlen für diese Menschen. Fachpersonen sind wiederum selten rassismussensibel qualifiziert.